Zugspitze - Schiabfahrt Neue Welt (05.04.2026)
| Ascents | Schneefernerkopf (2,875m) | 05.04.2026 |
|---|---|---|
| Zugspitze (2,962m) | 05.04.2026 |
Die Zugspitze, Deutschlands höchster Berg. Für Liebhaber unberührter Natur ein wahrer Alptraum: vollständig zubetoniert, Biergarten und Museum am Gipfel, Betonbunker als Kriegsrelikte, Gletscherskigebiet und Forschungsstationen. Gleich drei Seilbahnen führen zum Gipfel – eine vom Platt, eine von Garmisch in Deutschland, eine vom Tiroler Ehrwald.
Und dennoch: Spektakulär ist es dort oben. Der Berg ist eine wahre Wucht. Er bietet großartige Überschreitungen (Jubiläumsgrat), lange Klettersteige (Höllental) und enorme Felswände.
Und durch eine dieser Felswände – nämlich jene, die nach Osten Richtung Ehrwald in Tirol abbricht – gibt es sogar eine Skiabfahrt. Wobei man eher von einem Skiabenteuer sprechen sollte. Denn hier muss wirklich alles passen, wenn man die Route halbwegs genießen will. Für die meisten ist die Befahrung der „Neuen Welt“, wie die Abfahrt meist genannt wird, eher die Bewältigung einer Herausforderung als reiner Skigenuss.
Aber wenn man so oft wie ich von Tirol nach München gefahren ist und jedes Mal die wilde Ostwand der Zugspitze bestaunt, dann will man diese Abfahrt einfach einmal gemacht haben.
Nach viel Neuschnee und kaltem Wetter vor Ostern meinten Roland und ich, die Gunst der Stunde nutzen zu können. Es war Ostersonntag, und die Verhältnisse hatten sich stabilisiert. Mit der zweiten Gondel fuhren wir auf die Zugspitze. Gefährliche Triebschneepakete in der Gipfelregion machten eine Direktabfahrt auf das Zugspitzplatt unverantwortlich. Also nahmen wir die Gondel, die die 300 Höhenmeter auf das ehemalige, einzige deutsche Gletscherskigebiet am Zugspitzplatt überwindet.
Dieses Zugspitzplatt ist wirklich ein beeindruckender Ort – auch wenn Deutschlands letzter Gletscher in wenigen Jahren Geschichte sein wird und die Gletscherlifte im Frühjahr 2026 abgebaut wurden.
Vom Platt ging es etwa 300 Meter mit Fellen aufwärts – bei perfektem Wetter und in herrlich leuchtender Winterlandschaft. Allein die winterliche Besteigung des Ausgangspunkts der Tour, des Schneefernerkopfs (2.836 m), ist schon ein großartiges Unternehmen. Am Grat muss man etwas Acht geben und Lawinen sowie Wechten im Auge behalten. Insgesamt ist es bei normalen Verhältnissen aber eher leicht.
Am Gipfel genossen wir die herrlichen österlichen Sonnenstrahlen und den gewaltigen Ausblick – vor allem aber den Blick nach unten: fast 2.000 Meter nahezu senkrecht ins Tal. Hier sollte es also losgehen.
Spuren waren noch keine vorhanden, und wir waren noch nie hier. Deshalb war es für die Psyche gar nicht so schlecht, dass ein Bergführer mit Gast vor uns die ersten Spuren in die Steilhänge zog.
Die Einfahrt in die Route war einfach genial. Nur Fliegen muss schöner sein.
Nach etwa 600 Metern Abfahrt – die Steilheit ist hier oben nicht durchgehend extrem, da steilere Passagen immer wieder von etwas flacheren Abschnitten unterbrochen werden – kam die große Besonderheit der Tour: eine etwa 50 Meter hohe Abseilstelle. Wir hatten zwei Halbseile dabei und konnten daher problemlos in einem Zug abseilen – und zwar in ein schattiges Loch, das den Beginn einer steilen Rinne bildet.
Die Rinne war durch den Schatten noch sehr hart. Die Wände darüber lagen aber bereits in der Sonne, weshalb schon erste Rutsche herunterdonnern. Man hat keine große Lust, sich allzu lange in diesem Schlauch aufzuhalten. Also fuhren wir zügig weiter.
Anfangs ließ es sich trotz Härte und Lawinenspuren noch ganz gut fahren. Gegen Ende wird die Rinne jedoch so eng und zerfurcht, dass man wirklich sicher auf den Skiern stehen sollte. Ein Sturz wäre wohl nicht sofort fatal, aber definitiv gefährlich.
Nachdem wir die Rinne verlassen hatten, folgte ein genüsslicher Wiesenhang, bevor es in den berüchtigten Wald ging, von dem wir schon viel Negatives gehört hatten. Ja, der Wald war dicht, und der Schnee nicht besonders gut. Aber es lag immerhin genug Schnee, sodass wir ganz ordentlich hinunterkamen.
Schließlich folgten wir einem plötzlich auftauchenden Forstweg und querten etwa 25 Minuten nach links hinüber Richtung Skigebiet.
Bei einem herrlichen Bier auf der Skihütte an der Talstation ließen wir die Tour ausklingen.



User comments